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Ehrengast

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Unser Ehrengast 2016: Osman Okkan

Osman Okkan, geboren 1947 in Ankara, erlebte seine Kindheit und Jugend in Istanbul und kam 1965 nach Deutschland. Schon während seines Studiums in Münster engagierte er sich für die Belange der Einwanderer aus der Türkei und ihrer Familien, arbeitete eng mit den Gewerkschaften zusammen und gehörte zu den Mitbegründern mehrerer Migranten-Organisationen. So war er von 1978 bis 1980 u.a. Generalsekretär der „FIDEF-Föderation der türkischen Arbeitervereine in Deutschland“. Nach dem Studium arbeitete Okkan als freiberuflicher Journalist für verschiedene deutsche und türkischsprachige Medien.  Beachtung fanden in dieser Zeit seine Berichte und Reportagen für den WDR, in denen er sich mit der innenpolitischen Lage der Türkei und den bildungs- und kulturpolitischen Aspekten der multikulturellen Gesellschaft in Deutschland auseinandersetzte. In den Jahren 1982-1984 arbeitete er mit Günter Wallfraff an dem multimedialen Projekt „Ganz unten“ und führte alle türkischsprachigen Interviews für die Film- und Buchfassungen.

Okkan begann 1986 beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) als Redakteur und arbeitete dort bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2006 für verschiedene Hörfunk- und Fernsehformate. Er verfolgte stets einen kritisch-investigativen Journalismus, ordnete in Hörfunk und Fernsehen deutsch-türkische Themen ein, erklärte und kommentierte sie einem breiten Publikum. Als Moderator führte er viele Jahre lang durch die türkischsprachige Kultsendung Köln Radyosu. Parallel entstanden seine ersten, langen Fernsehdokumentationen für WDR und ARTE, wie z.B. Geliehene Träume – Videosucht bei türkischen Migranten (mit Hanno Brühl, 1983), Nazım Hikmet – Dichter und Rebell (1992), Gedanken wie Zündstoff – Intellektuelle in der Türkei (1996) und Zwischen Poesie und Politik: Yaşar Kemal (1997).

Auch nach seiner aktiven Zeit als Redakteur beim WDR produzierte Okkan viel beachtete Film- und Fernsehdokumentationen. Die Filmreihe Menschenlandschaften (2012) widmet sich sechs herausragenden türkischen Autoren: Nazım Hikmet, Yaşar Kemal, Orhan Pamuk, Elif Şafak, Murathan Mungan und Aslı Erdoğan. Die DVD-Edition wird an vielen Schulen und Universitäten in Deutschland, in den USA und in der Türkei als Lehrmaterial eingesetzt. Im März 2016 wurde sein Filmportrait über den international gefeierten armenischen Photographen Ara Güler – A Legend of Istanbul in Anwesenheit hochrangiger Persönlichkeiten in Istanbul uraufgeführt. Okkans vierteilige Dokumentationsreihe über die jüngere Geschichte der Türkei wird in diesem Frühjahr beim WDR ausgestrahlt.

Osman Okkan ist Initiator und Mitarbeiter zahlreicher Medien-, Kunst- und Kulturinstitutionen und -Projekte. Insbesondere mit der Gründung des Kulturforums TürkeiDeutschland, dessen Vorstandssprecher er ist, setzte er gesellschaftliche und kulturpolitische Impulse. Das Kulturforum (Ehrenvorsitzende waren u.a. Günter Grass und Yaşar Kemal) initiierte wichtige Projekte: Begegnungsprogramme führten hunderte Journalistinnen und Journalisten aus der Türkei, Deutschland, Griechenland und Armenien zusammen und ermöglichten Gespräche mit hochrangigen Wissenschaftlern, Journalisten und Politikern – mitunter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das journalistische Online-Jugendprojekt cafeterra des Kulturforums wurde 2004 von der NRW-Staatskanzlei als Projekt des Jahres ausgezeichnet. Das Kulturforum TürkeiDeutschland erhielt 2011 den Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft. Zudem ist Okkan Sprecher der 1988 gegründeten griechisch-türkischen Freundschaftsinitiative (Ehrenvorsitz: Mikis Theodorakis und Zülfü Livaneli).

Der Autor, Journalist und Filmemacher Okkan, wurde als Experte für Mehrsprachige Hörfunk und Fernsehsendungen zu internationalen Hearings, u.a. beim Senat der Republik Mexiko, eingeladen und ist u.a. als Lehrbeauftragter an der Universität Duisburg-Essen tätig.

Für seine journalistische und interkulturelle Arbeit wurde Okkan mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So wurde sein Dokumentarfilm Vertrieben für Frieden – Als Griechen und Türken getrennt wurden (mit Simone Sitte, ARTE 2003) 2004 mit dem Öngören Preis für Demokratie und Menschenrechte ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm über den Mord an dem armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink (Mordakte Hrant Dink – über die Armenier in der Türkei, mit Simone Sitte, ARTE 2009) erhielt beim World Media Festival 2010 den Intermedia-Globe in Gold.

Für sein ehrenamtliches Engagement überreichte ihm 2012 Ministerpräsidentin Hannelore Kraft das Verdienstkreuz des Landes NRW; 2014 erhielt er vom Bundespräsidenten Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz am Bande.