Das Politische Forum Deutschland & Türkei auf der Buchmesse RUHR.2011
Den Beginn der Veranstaltungsreihe „Das Politische Forum Deutschland & Türkei“ gestaltete am Dienstag, 18. Oktober ein hochkarätig besetztes Podium zu dem Thema „50 Jahre Migration Türkei-Deutschland: Von einer türkischen Einwanderung zur Auswanderung?“. Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D. sprach die Keynote und betonte, dass mit der Migration auch immer die Integration einhergehen müsse. Das Podium, zu dem Prof. Dr. Yasemin Karakaşoǧlu, Prof. Dr. Ludger Pries und Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan gehörten, kamen zu dem Schluss, dass Mobilität, gerade auch bei Hochqualifizierten, zur weltweiten Normalität gehöre. Zugleich verwiesen sie darauf, dass sich viele Menschen durch ihren Migrationshintergrund ausgegrenzt fühlten und so auch eine Rückkehr in die Türkei in Betracht ziehen würden. Dem könne nicht zuletzt durch eine vermehrte und chancengerechtere Bildungsarbeit entgegengewirkt werden. Die Veranstaltung wurde moderiert von Dr. Gualtiero Zambonini (WDR).
Was Stiftungen beim Thema Integration leisten können, darüber diskutierten die Teilnehmer der Veranstaltung am Donnerstag, 20. Oktober. Dr. Gunilla Fincke, Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Migration und Integration (SVR-Migration), nannte das Ziel ihrer Arbeit: mittelfristig Chancengleichheit in Deutschland zu schaffen. Dr. Lale Akgün (Staatskanzlei NRW), Winfried Kneip (Stiftung Mercator) und Claudia Finke (Gemeinnützige Hertie-Stiftung) diskutierten gemeinsam über verschiedene Projekte und Möglichkeiten, die Stiftungen bei ihrer Arbeit leisten könnten. Lale Akgün verwies auf den flexiblen Handlungsrahmen, den Stiftungen im Vergleich zum staatlichen Handeln hätten. Dabei käme ihnen die Aufgabe zu, auch riskante und ungewöhnliche Projekte auszuprobieren. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass Stiftungen im Rahmen des internen Diversity Managements beispielhaft vorangehen sollten und sich dieses auch in den Führungsebenen der Stiftungen widerspiegeln müsse. Moderiert wurde der Abend von Dr. Gualtiero Zambonini (WDR).
Kontrovers ging es am letzten Abend der Veranstaltungsreihe zu. Beim Thema „Deutschland, Türkei und EU – Beziehungen vor dem Ende?“ am Freitag, 21. Oktober, traf der Diplomat Otto Graf Lamsdorff (Türkeibeauftragter Auswärtiges Amt) auf Dr. Günter Seufert (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) und Dr. Cengiz Aktar (BahÇeŞehir Universität Istanbul). Aktar kritisierte, dass die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ins Stocken geraten seien und der Türkei ein klares Datum für den Beitritt genannt werden müsse. Graf Lambsdorff lehnte dieses vehement ab, die Verhandlungen müssten ergebnisoffen geführt werden. Er verwies allerdings auf die ausgedehntere Außenpolitik der Türkei, die seit der Amtsübernahme von Außenminister Ahmet Davutoğlu gestaltet worden sei und in der sie sich stärker um die internationalen Beziehungen bemühe. Dies zeige, dass die Türkei mehr internationale Verantwortung übernehmen wolle. Einig waren sich die Diskutanten in der politischen Bedeutung der Türkei gerade für die Entwicklungen im Nahen Osten. Burak Çopur (Universität Duisburg-Essen) leitete die Diskussionsrunde.
Das Politische Forum Deutschland & Türkei wird von der Stiftung Mercator gefördert und fand im Rahmen der deutsch-türkischen Buchmesse RUHR.2011 statt.