Feridun Zaimoǧlu mit seinem Roman „Ruß“ zu Gast auf der Buchmesse RUHR.2011
Den Begriff der „Industriekultur“, ja, den hasse er, so Feridun Zaimoğlu bei der Lesung seines neuen Romans „Ruß“ auf der Buchmesse RUHR im Museum Folkwang. Er führe zu einer Musealisierung der Region. Was ihn aber interessiere, so der Schriftsteller, das seien die Biographien der Menschen, ihr ruppiger Umgangston, aber keine Idealisierung und Verklärung. Deswegen spielt „Ruß“ in Duisburg, da, wo die Spuren der Industrie noch nicht getilgt seien, in den Nebenstraßen, wo die Leute nicht „in hippe Studentenkneipen“ gingen und 2,90 Euro oder 3,40 Euro für einen Latte Macchiato ausgeben.
Rentz, der Held aus „Ruß“, ist Arzt, doch als seine Frau ermordet wird, stürzt die Welt für ihn zusammen. Jahrelang hilft er seinem Schwiegervater in einem Duisburger Kiosk aus und sinnt auf Vergeltung. Als er die Kellnerin Marja kennenlernt, verliebt er sich in sie. Als er jedoch von der Haftentlassung des Mörders seiner Frau erfährt, holt ihn die Vergangenheit wieder ein.
Zaimoğlu erfuhr das Romanschreiben als einen „Behaglichkeitsverlust“, denn Rentz sei kein glücklicher Mensch. Bis er sich auf den Charakter eingestimmt hatte und mit ihm verwachsen war, das sei schon eine Tortur gewesen. Schlafentzug durch das nächtliche Streunen durch die Straßen Duisburgs, Gewichtsverlust – aber erst durch die Qualen komme auch die Sprache für den Roman. An der ließ Feridun Zaimoğlu die Besucher der Buchmesse RUHR teilhaben und las einige Passagen aus dem Ruhrgebietsroman „Ruß“.
Moderiert wurde der Abend von Ulrich Noller (WDR).